In welcher Gruppe fühlst du dich zugehörig? Eher zu jenen Individuen, die stolz und Hand in Hand mit ihrem strammen Immunsystem vortragen, dass sie in 40 Jahren kein einziges Mal krank waren? Oder eher zu der Gruppe der Gequälten, die jahrüber alle paar Wochen eine Erkältung, eine Grippe oder Ähnliches ausbrüten? Oder siehst du dich irgendwo auf dem Kontinuum dazwischen?
Ich gehöre zur ersten Gruppe.
Nun gut. Diese Woche steckt meine Freundin mit einem unfreundlichen Virus unter einer Decke und ich bin bemüht, sie aus dieser schlechten Gesellschaft zu befreien. Am Dienstag durchkämme ich meine Hausapotheke nach potentiellen Feinden des Virus, in Form von Tröpfli, Sprays und Globuli. Dann radle ich durch klirrende Kälte und mit vollem Elan zur Apotheke und übermittle gewieft Textnachrichten zwischen meiner Freundin und der geduldigen Apothekerin. Nachdem ich zwei volle Schachteln Widerstandskraft erstanden habe gehe ich zum Supermarkt. Ich kaufe Schonkost, Tee, Ingwer, von allem genug. Meine Freundin erwartet mich zusammengekauert, frierend, dankbar und sprachlos in ihrem Treppenhaus. Eine hartnäckige Virusfront führt auf ihren Stimmbändern Überzeugungstänze auf. Ich möchte meine Freunde ganz fest und lange in den Arm nehmen und sie wärmen, doch nach stillschweigender Übereinkunft halte ich mich zurück. Gewissenhaft erkläre ich ihr stattdessen, was ich alles dabei habe. Auf ihre geflüsterten Bedenken, ob ich denn die Mittel aus meiner Hausapotheke nicht besser für mich behalten sollte, antworte ich «Nee, nee, alles gut, ich bin ja eh nie krank.».
Zwei Tage später: Auch trotz der Halsschmerzen und dröhnenden Kopfschmerzen, die mich heimlich aufsuchen, trotz der Frostschübe, die sich wie ein eisiges Netz über meinen Rücken ausbreiten und mir ein Hervorkriechen aus den sieben Bergen (um die drückende Blase zu entleeren) wie ein Gang durch die Arktis erscheinen lassen, trotz alledem kann ich immer noch, mein strammes Immunsystem präsentierend, sagen, dass ich ja eigentlich nie krank bin. Einfach die Globuli-Kugeln und Tröpfli-Ströme, die ich mit Liebe verschenkt habe, möchte ich jetzt liebend gerne meinen ungebetenen Mitbewohnern entgegenschleudern. Dabei denke ich an Bowling und an berstende Staudämme.
Ah und übrigens, die Arktis verzieht sich sofort am Ausgang der sieben Berge und ich geniesse die Wärme, die durch meine Harnröhre strömt.
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